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Vom Aufgang der Liebe Dieter Besier

Vom Aufgang der Liebe

Dieter Besier

Published
ISBN :
Kindle Edition
120 pages
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 About the Book 

PredigtenDer Titel „Vom Aufgang der Liebe“ erinnert an den Kanon „Vom Aufgang der Sonne“. Betreten Sie beim Lesen der Predigten eine Berliner Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert und lassen Sie sich von den Texten froh machen oder trösten, nachdenklichMorePredigtenDer Titel „Vom Aufgang der Liebe“ erinnert an den Kanon „Vom Aufgang der Sonne“. Betreten Sie beim Lesen der Predigten eine Berliner Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert und lassen Sie sich von den Texten froh machen oder trösten, nachdenklich stimmen oder bestärken. Spüren Sie beim Lesen: „Meine Seele ist ein wasserreicher Garten“.Leseprobe aus der Predigt über 1. Mose 22, 1-13 (Opferung Isaaks durch Abraham):Die Geschichte von der Opferung Isaaks ist voller Spannungen zwischen tiefem Vertrauen und heftigem Erschrecken, zwischen Liebe und Angst. Und jeder, der diese Geschichte liest und hört, kann sich diesen Gefühlen nicht entziehen. Wohin führt uns diese Bibelgeschichte? In ein blindes Vertrauen? Dass wir genauso wie Abraham, fraglos, ohne jede Gefühlserschütterung vertrauen? Oder führt uns diese Geschichte in eine beklemmende Angst vor Gott, die im Text unausgesprochen ist in der nicht gestellten Frage des Sohnes Isaak: „Mein Vater, was geschieht da?“ Wenn wir uns von Christus durch diese Geschichte führen lassen, stelle ich mir vor, würde er Fragen stellen. Christus würde fragen: „Abraham, was tust Du da? Wo gehst Du hin mit Deinem Sohn? War es wirklich Gott, der Dich rief? War es wirklich Gott, der Dir befahl, Deinen Sohn zu opfern? Oder war es vielleicht ein Echo uralter religiöser Vorstellungen?“ Und würde nicht Christus zu Abraham sagen: „Gott will Dir nicht das Liebste wegnehmen!“ Oder mit den Worten des Apostel Jakobus: „Gott versucht nicht!“ (Jak 1, 13) Christus würde genauso zu Abraham sagen: „Gott versucht Dich nicht!“ Aber Christus würde auch sagen zu Abraham: „Dein Glaube ist groß und stark und voll Vertrauen.“ Und Christus würde hinzufügen: „Dennoch hat Gottes Stimme immer den Klang der Liebe. Gottes Stimme ist wie die Botschaft des Engels- Gott ruft Dich sanft und mit Geduld. Abraham, achte darauf. Wenn Du wieder meinst, Gottes Stimme zu hören, achte auf den Klang und woher sie kommt. Achte darauf, ob diese Stimme voller Güte und Liebe ist.“ …Ich stelle mir vor: Isaak auf dem Rückweg vom Opferplatz. Von diesem Rückweg wird nichts berichtet. Oft sind die Geschichten der Bibel an einer spannenden Stelle abgebrochen, so als ob wir die Aufgabe hätten, weiter zu denken, weiter zu schreiben, zu sehen, was daraus wird. Wie würden die beiden, Vater und Sohn, miteinander sprechen nach diesem Geschehen? Nach dem erschreckenden Erkennen, was da war? Das kann doch nicht einfach so ausgeklammert und verdrängt werden. Es kann doch zwischen Vater und Sohn dann nicht solch ein Schweigen eintreten, dass darüber nie wieder geredet würde. Über solches Erleben! Die Bibel lässt uns das offen. Rückweggespräche. …Vielleicht würde Isaak fragen und zu seinem Vater auf dem Rückweg sagen: „Ich hatte solche maßlose Angst!“ Wohl dem Sohn, der seinem Vater dieses Gefühl sagen kann: „Ich hatte solche Angst, und Du warst mir so fremd!“ „Ich verstehe das nicht,“ würde Isaak sagen, „müssen wir uns vor Gott so fürchten? Müssen wir durch solches Zittern gehen? Müssen wir das Messer so nah vor unserer Seele sehen? Gehört das zum Erwachsenwerden dazu?“ „Ich hatte solche Angst!“ würde Isaak sagen auf dem Rückweg.Abrahams Antwort, die väterliche Antwort stelle ich mir vor als eine frohe Botschaft. Dieser Bibeltext verlangt danach, nicht drohend verkündigt zu werden.